Archiv: Ausgabe Unsere Bestattungskultur im Wandel zwischen Individualität und Anonymität

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Unsere Bestattungskultur im Wandel zwischen Individualität und Anonymität

Wenn wir unsere jüngere Geschichte unserer Bestattungskultur betrachten, so zeigt uns diese, dass in Deutschland noch bis weit nach den 1950er Jahren Feuerbestattungen vor allem auf dem Lande die Ausnahme waren. Gerade die Kirchen haben sich mit dem Glauben einer leiblichen Auferstehung lange dagegen gesperrt. Heute gibt es keinen kirchlichen Einspruch mehr, da man die Auferstehung nicht mit dem »irdischen Leib« verbindet.
Tiefgreifende Änderungen
Seit diesem Bekenntnis hat sich das Bestattungsverhalten zusehends verändert und damit haben sich auch nicht gekannte Möglichkeiten aufgetan. War es früher eine Minderheit, die sich für eine Einäscherung
entschied, so ist die Zahl derer, die sich für eine Feuerbestattung entscheiden, heute stark gestiegen. Jüngste Erhebungen haben ergeben, dass der Anteil der Feuerbestattungen bei 65 % liegt. Das ist eine eindeutige Tendenz, die – zumindest derzeit – nicht mehr umkehrbar scheint.
Die Gründe dafür sind vielfältig, nicht zuletzt hat der demographische Wandel sehr dazu beigetragen: Häufig leben die Nachkommen nicht mehr am Ort der verstorbenen Eltern, oft gibt es keine Nachkommen. Die Grabpflege für ein Familiengrab erscheint zu zeitaufwändig, und auch die Kosten für Pflege und Unterhalt spielen eine nicht zu vernachlässigende Rolle.

Bildunterschrift: Beispiel für den gelungenen Umbau eines bestehenden Grabfeldes (ehemals Einzel- und Doppelgräber für reine Erdbestattung): Heute sowohl Erd- als auch Urnenbeisetzungen möglich – und auch gewünscht! Der reduzierte Grab-Gestaltungsbereich beträgt 80 x 80 cm (vorher 220 x 220 cm), eingesenkte Grabeinfassung aus Bandstahl. Eine Nutzung auch ohne Grabgestaltung ist möglich (rechts hinten). Konzept: kleine Grabfelder, unterbrochen durch bepflanzte Flächen. (Foto: Müller)

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