Inhalte Heft September 2006:
Der Gemüsegarten Der Obstgarten Der Ziergarten Pflanzenschutztipp
 

Der Obstgarten im September
(Auszug aus dem aktuellen Heft)
  Aktuelles Allgemein
  Aktuelles beim Kernobst
  Aktuelles beim Beerenobst und den Wildfrüchten
  Aktuelles beim Pflanzenschutz

Aktuelles Allgemein

  • Pflanzstellen vorbereiten. Je früher die Pflanzgruben fertig sind, desto besser wachsen die Gehölze an. Jetzt auch vorsorglich besorgen: Baumpfähle, Baumbänder, Hasendraht (Sechseckgeflecht) gegen Wühlmäuse in der Baumgrube und am Stamm gegen Wildverbiss, Fanggürtel für Stamm und Pfahl gegen aufkriechende Schädlinge.
  • Luftmangel im Boden. Jede Düngung ist vergeblich, wenn den Wurzeln, z.B. in schweren, verdichteten Böden, außer Wasser nicht auch ausreichend Atemluft zur Verfügung steht. Mit einer Düngelanze (u.a. Fabrikat Garda oder Eigenbau) lässt sich im Bereich der Kronentraufe mittels Wasserdruck das Wasser gleichzeitig mit Luft direkt an die Wurzeln bringen. Die so erzeugten Hohlräume bleiben lange erhalten und sorgen für die nötige Belüftung. Das gleiche Gerät ist ebenso zum Vorbohren für Baumstützen, wie auch für größere Bäume zur Tiefendüngung brauchbar.
  • Die Holzausreife der Triebe im Herbst ist von entscheidender Wichtigkeit. Andernfalls können an den noch weichen Trieben Frostschäden entstehen, die sich mit Nachfolgeschäden (Holzkrankheiten) auf den ganzen Baum auswirken können. Folgende Maßnahmen fördern die Holzausreife:
    - Keine zusätzlichen Dünger- und Wassergaben ab Juli
    - keine Rückschnitte mehr, wenn noch Neutriebe möglich sind
    - lockern des Bodens im Wurzelbereich und Freihalten der Baumscheibe von Bewuchs.
    Sind im Spätherbst aber noch weiche Spitzen am Baum erkennbar, so werden sie abgeschnitten und gleichzeitig ganze Triebe entblättert, um den Triebabschluss herbeizuführen.
  • Moose und Flechten an Stamm und Ästen können schon bei Jungbäumen auftreten. Sie schädigen den Baum nicht, sind aber ein Hinweis auf mangelhafte Baum- und Bodenpflege. Abhilfe:
    - Moose und Flechten bei feuchtem Wetter gründlich mit der Drahtbürste abkratzen
    - Verjüngen des Baumes und gleichzeitiges Ausputzen des unfruchtbar gewordenen Fruchtholzes
    - Weißanstrich des Stammes und der stärkeren Äste im Winter sowie Bodenpflege im Frühjahr
    - flüssiger Volldünger in 3 Gaben von Februar bis Juni in den Wurzelhorizont einbringen.
  • Spitzendürre entsteht in der Regel an altersschwachen Bäumen auf klimatisch ungünstigem Standort. Ursache sind zumeist unausgereifte Zweigenden, die im Winter oft bis zur Hälfte zurückfrieren. Solche Bäume pfropft man am besten mit einer robusten Sorte um.
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Aktuelles beim Kernobst

  • Schonend mit Handschuhen ernten beim Kernobst, um Verletzungen der Fruchtschale durch die Fingernägel auszuschließen. Jede Beschädigung der Schale erhöht die Infektionsgefahr durch pilzliche Lagerfäulen. Druckempfindliche Sorten erntet man nicht frühmorgens oder bei Feuchtigkeit.
  • Kernobst lagert mit eingestreuten, getrockneten Holunderblüten oder auf frischen Fichtenreisern besser als auf blankem Holz und behält so länger sein sortentypisches Aroma. Vor dem Einlagern soll man im Lagerraum die Lüftungsmöglichkeit überprüfen und alle Holzteile mit 5 %igem Sodawasser pilzfrei machen. Im Übrigen ist es nicht immer angebracht, die Früchte sofort nach der Ernte in den Keller zu bringen. Oft ist es besser, sie zunächst einige Tage im schattigen Gras liegen zu lassen, um Geschmack und Färbung zu verbessern. Empfehlenswert ist eine vorübergehende, flache Lagerung an einem schattigen Platz im Freien oder im luftigen Schuppen, bis erste Fröste zu erwarten sind.
  • Glasige Äpfel, deren Fruchtfleisch ungewöhnlich wasserhaltig ist, sind noch nicht wertlos. Meistens ist eine stark wechselhafte Witterung (heiß/kühl oder nass/trocken) vor der Ernte eine der möglichen Ursachen. Aber auch Ernährungsstörungen mit zu hohem Stickstoffanteil können dafür verantwortlich sein, dass die Zellen zu wasserhaltig werden. Sehr oft stellt sich nach einer gewissen Lagerzeit der Normalzustand wieder ein, andernfalls faulen die Äpfel dann schnell.
  • Kernobst durchpflücken. Normalerweise werden die Früchte unterschiedlich (folgernd) reif und sollten jeweils nach ihrem Reifezustand abgenommen werden. Es sind also mehrere Erntedurchgänge nötig. Die Baumreife erkennt man daran, dass sich die Früchte bei leichtem Drehen gut vom Baum lösen lassen.
  • Spalierbäume werden noch einmal formiert und die Seitentriebe eingekürzt. Solange noch genügend Saft in den Leittrieben ist, lassen sie sich gut biegen und am Gerüst anheften, später ist die Bruchgefahr größer.
  • Quitten werden erst dann erntereif, wenn der Farbumschlag von grün nach gelb eindeutig vollzogen ist und der terpentinhaltige Schalenflaum bis in Kelchnähe zurückgegangen ist. Bei einer Nachlagerung von 2-3 Wochen bildet sich das Aroma noch voll aus. Der Gehalt an Vitamin C ist dem Apfel vergleichbar, die Werte für andere, wertvolle Inhaltsstoffe liegen teilweise deutlich höher.
  • Quitten werden häufig in apfelförmige und birnenförmige Früchte eingeteilt, doch meistens ist die Form, auch innerhalb der Sorten recht unterschiedlich. Allgemein gilt das Fruchtfleisch der Birnenquitten als saftiger, weicher und ärmer an Steinzellen, als das der Apfelquitten, deren Fleisch zwar härter und trockener, dafür aber aromatischer ist. Der Gesundheitswert aller Quitten wird von Fachleuten als außerordentlich hoch eingeschätzt.
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Aktuelles beim Beerenobst und den Wildfrüchten

    Aktuelles beim Beerenobst und den Wildfrüchten
  • Johannisbeersträucher altern verhältnismäßig schnell und lassen dann in der Fruchtbarkeit deutlich nach. Deshalb sollten die ältesten Triebe von Zeit zu Zeit herausgenommen werden, wodurch der Busch ständig verjüngt wird. Früher steigerte man die Fruchtbarkeit zusätzlich, indem man alle 2 Jahre einen kleinen Graben spatentief um den Busch zog und ihn mit gutem Kompost auffüllte.
  • Langsteckholz von Johannisbeeren, im September geschnitten, wurzelt in der Regel gut in leichtem Boden. Mit ihm erzieht man wurzelechte Fußstämmchen oder eintriebige Hecken. Auch eine Mauerbekleidung ist gut möglich. Beim Großsteckholz werden die kräftigen, einjährigen Langtriebe nicht unterteilt. Ein Teil der unteren Knospen wird jedoch entfernt, damit sich keine Seitentriebe bilden können. Besonders geeignet sind starkwüchsige ('Jonkher van Tets', 'Rolan', 'Rotet', 'Rovada') aber auch schwarze Sorten.
  • Tafeltrauben geizt man zu Monatsanfang letztmalig aus, damit die Trauben in Luft und Licht besser ausreifen können. In Traubennähe werden auch einige Blätter entfernt. In Beuteln aus Faservlies sind die süßen Sorten auch vor Wespenfraß sicher.
  • Wildfrüchte ernten. Im September reifen verschiedene Hagebuttenarten (Hag = Gestrüpp, Butte = Klumpen), Edeleberesche, Sanddorn (zählt zu den vitaminreichsten Früchten), Zieräpfel als wertvolle Vitaminträger. Die Früchte sind nicht nur geschätzt wegen ihrer vielseitigen Verwertbarkeit und wertvollen Inhaltsstoffe, sondern auch als getrocknete Beigabe zum Vogelfutter im Winter.
  • Kornelkirschen ernten. Cornus mas ist eine Wildobstart, die vor allem in den osteuropäischen Ländern, aber auch in Österreich wegen ihrer vielseitigen Verwertbarkeit sehr beliebt ist. Allerdings reifen die Früchte der Wildformen - in Österreich "Dirndl" genannt - sehr unterschiedlich. Deshalb hält man dort einen umgedrehten Regenschirm unter den Strauch und schüttelt so die reifen, schwarzroten Früchte ab. Auslesen und Züchtungen, darunter 'Jolico' und 'Kasanlak' sind großfrüchtiger und reifen gleichmäßiger. Verarbeitungsprodukte wie Sirup, Gelee, Konfitüre oder Süßmost sind sehr geschätzt und werden auch industriell hergestellt.

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Aktuelles beim Pflanzenschutz

  • Fallobst nicht liegenlassen. Viele Früchte sind oft nur abgefallen, weil sie von den Larven des Apfelwicklers "bewohnt" sind. Bleibt das Fallobst liegen, so kriechen die Larven bald danach aus, um sich in der Nähe zu verpuppen. Ihr Besuch bei uns als Schmetterling ist dann im nächsten Jahr sicher.
    Faules Fallobst kann außerdem ein wichtiges Glied in der Infektionskette der gefährlichen Kragenfäule sein. Diese Pilzkrankheit äußert sich direkt über der Veredelungsstelle der Apfelbäume durch eingesunkene Stellen. Dort fault später die Rinde und löst sich rundum. Der Baum ist dann verloren.
  • Faulende Früchte am Baum werden bis zum Winter als "Fruchtmumien" eintrocknen und Sporenlager bilden. Sie dürfen nicht am Baum bleiben, sonst werden sich die Krankheitskeime weiter entwickeln und nicht nur im eigenen Garten weitere Infektionen verursachen.
  • Faules Obst soll nicht auf den Kompost oder vergraben werden, weil die Pilzsporen mehrere Jahre im Boden überdauern und danach wieder aktiv werden können. Die Sporen der Kragenfäule beim Apfel können bei Erdbeeren auch die so genannte Lederbeerenfäule hervorrufen.
  • Canker am Holz. So nennt man die auffällig eingesunkenen, mehr oder weniger deutlich abgegrenzten Stellen in der Rinde. Sie weisen stets auf eine Holzkrankheit hin, sei es Krebs, Kragenfäule (nahe der Veredelungsstelle) oder gar die Winterform des Feuerbrandes. Solche Stellen sind bei Verdacht so schnell wie möglich bis tief in das gesunde Holz auszuschneiden und mit einem Wundmittel (nicht Wachs) zu verstreichen.
  • Wirtswechselnde Schadfaktoren. Ebenso wie bestimmte Blattlausarten, Milben und Zikaden ihre Futterpflanzen ab einem bestimmten Zeitpunkt verlassen, um auf andere überzuwechseln, so besiedeln auch die Erreger einiger Pilzkrankheiten, darunter häufig die Rostpilze, verschiedene Wirte. So braucht der Zwetschgenrost bestimmte Arten der Anemone als Zwischenwirt, wogegen der Weymouthskiefer-Blasenrost sich im Sommer auf Schwarzen Johannisbeeren (Säulenrost) niederlässt und mitunter großen Schaden anrichtet.

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Franz Mühl