Inhalte Heft Januar 2006:
Der aktuelle Pflanzenschutztipp im Januar Das Weißeln der Bäume Im Zuge des modernen Pflanzenschutzes wurde das altmodische Weißeln der Bäume schnell über Bord geworfen. Da jedoch seit einigen Jahren gravierende Ausfälle in den Obstanlagen und auch in den Hausgärten zu verzeichnen sind, besinnt man sich dieser Maßnahme wieder. Wozu dient diese Maßnahme? Bei strengem Frost und gleichzeitig hoher Sonneneinstrahlung heizt sich die besonnte Seite der Rinde bis auf 10 Grad auf. Die Schattenseite bleibt aber bei -10 oder -15 Grad. Durch diese Spannungsunterschiede platzt die Rinde mehr oder weniger stark auf. Nun reichen auch schon kleinste Risse, um Pseudomonas-Bakterien eindringen zu lassen. Die sind als Epiphyten immer auf der Rinde vorhanden und normalerweise harmlos. Nur wenn sie an das Kambium gelangen, während sich der Baum in der Ruhephase befindet, durchwachsen sie das Kambium. Dieses stirbt dann im nächsten Sommer ab und der Baum geht ein. Je nach Pflanzenart und Infektionsverlauf dauert das sterben einige Tage bis mehrere Jahre. Im Extremfall sind großflächige Bestände in kurzer Zeit tot.Durch das Weißeln wird das Sonnenlicht reflektiert und die Rinde heizt sich nicht auf. Dadurch unterbleiben die Frostrisse und die Bakterien finden keine Eintrittspforte. Anfang Januar ist es höchste Zeit, diese Maßnahme durchzuführen. Was eignet sich zum Weißeln: Alles, was weiß macht. Die Erwerbsanbauer nehmen Hydratweißkalk mit 7 kg auf 100 l Wasser. Damit werden die gesamten Bäume eingesprüht. Genauso gut ist die Verwendung von Sumpf- oder Löschkalk möglich. Im Handel gibt es auch fertige Präparate zu kaufen. Diese haften besser als reiner Kalk. Sehr gut möglich ist auch die Verwendung von weißer Dispersionsfarbe. Oft befinden sich ja noch Reste in alten Farbkübeln. Diese kann man hier noch hervorragend aufbrauchen. Die Haftung ist sehr gut, die Witterung muss beim Auftragen aber frostfrei sein. Der Profi wird möglicherweise auf das Arbo-Flex zurückgreifen, das in 5 Liter Eimern angeboten wird. Dieses bildet einen elastischen Belag, der mit dem Stammdurchmesser mitwächst. Der Belag bleibt so 5 Jahre erhalten. Als Nebeneffekt werden noch die Flechten zurückgedrängt, die seit einigen Jahren auf einem ungehemmten Vormarsch sind und möglicherweise auch ein Hase vergrämt, den die weiße Rinde nicht mehr schmeckt. |
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Thomas Schuster |
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