Inhalte Heft Januar 2006:
Neue Gemüsesorten Der Obstgarten Der Ziergarten Pflanzenschutztipp
 

Der Obstgarten im Januar
(Auszug aus dem aktuellen Heft)
  Aktuelles Allgemein
  Aktuelles beim Steinobst und Schalenobst
  Aktuelles beim Beerenobst
  Aktuelles beim Pflanzenschutz

Aktuelles Allgemein

  • Wurzelechte Obstbäume aus einer Steckholzvermehrung gelangen schon früher mehr oder weniger erfolgreich bei Apfel- und Pflaumenbäumen mit kräftigem, einjährigem Steckholz. Weil aber der Einfluss einer Wuchs hemmenden Unterlage fehlt, so kann es doch Überraschungen hinsichtlich der späteren Wuchskraft geben. Möglichkeiten zu Experimenten bieten aber schwachwachsende Sorten oder auch die neuen Säulenformen.
  • Edelreiser schneiden ist noch bis zur Monatsmitte möglich, denn jetzt herrscht noch Saftruhe im Baum. Dann aber sagt die Bauernregel: "Wenn Agnes und Vicentis (22.1.) kommen, wird neuer Saft im Baum vernommen". Danach ist Schluss. Um die Reiser bis zur Veredelung frisch zu halten, kann man sie in eine flache Grube legen, dann mit Sand und Laub gegen den Frost abdecken oder aufrecht, sonnengeschützt und zu einem Drittel in Sand.
  • Gezielter Schnittzeitpunkt. "Je früher der Schnitt, desto stärker der Trieb" ist ein alter Merksatz der Baumwarte. Jüngere Bäume bis zum 5. Standjahr schneidet man frühestens gegen Ende Februar, noch später die starkwüchsigen Arten und Sorten, von denen in den nächsten beiden Jahren noch kein Ertrag zu erwarten ist. Für starkwachsende Ertragsbäume empfiehlt sich ein Schnitt erst unmittelbar nach der Blüte. Dadurch wird die Wuchsleistung etwas gemildert.
  • Wasserschosse sind in den meisten Fällen unbeliebt, doch weisen sie oft auf schwerwiegende Kulturfehler, wie u.a. Überdüngung, zu starken Schnitt (jährlicher "Schnippelschnitt"), Verlust zu großer Baumteile bei einer Verjüngung hin. Vorläufig sind sie aber noch wichtige Abnahmestellen für den nachdrängenden Saft. Werden dagegen rücksichtslos alle entfernt, so kann die Rinde infolge des nun verstärkten Saftdruckes aufreißen - der Baum "erstickt" - oder er "explodiert", d.h. es entstehen Massen einjähriger Triebe, die nie zum Blühen kommen, wenn sie jährlich wieder ausgemerzt werden. Jungbäume, die in der Länge außer Kontrolle gerieten, entnimmt man die Mitte und erzieht eine besser zu überwachende Hohlkrone.
  • Die optimale Ausrichtung der Pflanzreihen bei Obstgewächsen wurde in Vergleichspflanzungen geprüft. Eine Nord-Südrichtung wirkte sich durch einen etwas höheren Ertrag aus, jedoch nahmen die Blütenschäden bei Spätfrösten infolge der stärkeren Sonneneinstrahlung leicht zu gegenüber den Ost-/Westreihen. Ein Unterschied in der Fruchtqualität oder dem Erntezeitpunkt war nicht feststellbar.
  • Wildschäden. Wo auch nur ein kleines Loch im Zaun ist, finden es Karnickel und Hasen schnell und richten mitunter erheblichen Schaden, besonders an jungen Gehölzen an. Man sah auch schon Hasen einen niedrigen Zaun überklettern. Wer den organischen Produkten Aminosol, Siapton, Blattbalsam (organischer Stickstoff mit starker Haftung) keine dauerhafte Wirkung zutraut, dem stehen zum Schutz der Obstgewächse und Zierpflanzen folgende zugelassene Kleinpackungen zur Verfügung: Hasenschreck Compo, Hasenschreck Terrasan, Hasen-Stop Neudorff, Arbin Dosierfix (getränkte Zellstoffkugeln) Stähler, Wildverbißschutz-Spray Schacht.
  • Umveredelungen vorbereiten. Jetzt wird die Krone ausgelichtet und dann um etwa zwei Drittel zurückgenommen. Anschließende Wundpflege sollte selbstverständlich sein. Bei gefrorenem Boden machen die Arbeiten keine Trittschäden. Nacharbeiten am Baum, u.a. mit Zugästen, lassen sich noch kurz vor der Umveredelung ausführen.
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Aktuelles beim Steinobst und Schalenobst

  • Schwachwachsende Süßkirschen. Die schlimmen Erfahrungen des vergangenen Jahres mit geplatzten und verfaulten Kirschen von Hochstämmen könnte Anlass sein, neue Bäume für den Garten nur auf schwach wachsender Unterlage (Busch auf GiSelA 5 oder Weiroot) zu pflanzen. Solche sind in der kritischen Zeit, also kurz vor der Fruchtreife, ohne großen Aufwand mit Folie zu schützen.
  • Schnitt an Pflaumenbäumen führt man in den ersten Standjahren möglichst zurückhaltend aus, andernfalls wird vor allem das Längenwachstum steiler Triebe angeregt. Entfernt man bald den starken Mitteltrieb, so entsteht die so genannte Hohlkrone mit 3-4 Leitästen. Bis zu einem nennenswerten Ertrag kann dann jeder Schnitt unterbleiben, denn: Fruchtbildung geht auf Kosten des Holzwachstums - und umgekehrt.
  • Schnitt der Haselnussbüsche. Die besten Nüsse hängen außen, im Bereich der lichten Strauchregion. Ältere Sträucher sollten deshalb eine Art belichtete Hohlkrone aufweisen und bei etwa 4 m Höhe gehalten werden. Die lästigen Bodentriebe können den Strauch mit der Zeit stark verdichten und sind deshalb jährlich zu entfernen. Veredelungen auf Fußstämmen von Corylus colurna sind pflegeleichter und hier entfallen auch die Bodentriebe.
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Aktuelles beim Beerenobst und den Wildfrüchten

  • Winterschäden an Erdbeeren. Die Hauptsorten 'Honeoye' und 'Korona' gelten an ungünstigen Standorten als sehr windempfindlich. Im Hausgarten schützt man sie durch eine Auflage mit Fichtenreisern oder Faservlies. Eine leichte Laubdecke zwischen den Reihen bietet zusätzlich Schutz vor Wurzelfrost.
  • Die Brombeervermehrung im Garten ist sehr einfach. Der vorjährige Langtrieb wird in eine Erdspalte gesenkt, festgehakt und mit der Spitze wieder aufgerichtet. Schon bis zum Herbst wird sie bewurzelt und verpflanzfertig sein. Oft wurzeln die Triebspitzen auch von selbst, dort wo sie der Erde aufliegen.
  • Aufrechte Brombeererziehung ist im Garten ertragreich, platzsparend und kann als gestalterisches Trennelement gelten. Für die fächerartig aufrechte Erziehung benötigt man 3 Spanndrähte im Abstand von 60, 120 und 180 cm, wobei der untere zum vorläufigen Hochlegen der Jungruten dient. Als Pflanzabstand genügen bei guter Pflege 150 cm.
  • Steckhölzer sollte man immer aus der Buschmitte entnehmen, denn von seitlichen Trieben wird der künftige Strauch ebenfalls nur seitlich betont bleiben. Bis gegen Monatsende ist noch Zeit, dann endet bereits die Saftruhe.

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Aktuelles beim Pflanzenschutz

  • Johannisbeeren, aber auch andere Obstgewächse, etwa Süßkirschen, sind jetzt gefährdet durch Knospenverbiss von Sperlingen und Finken. Auch durchziehende Dompfaffen können in sehr kurzer Zeit ganze Zweige leer picken. Zur Abwehr haben flatternde Stanniolstreifen nur vorübergehende Wirkung. In Schutznetzen können sich die Vögel leicht verfangen. Erfahrene Gärtner wissen, dass die Feuchtigkeit in den Knospen gesucht wird und empfehlen, Wassertränken aufzustellen, wodurch die Vögel abgelenkt sind.
  • Greifvögel sind uns willkommene Helfer im Obstanbau. Besonders Eulen können Wühlmäuse in Schach halten, wenn sie nachts ihren Bau verlassen, um Grünzeug zu weiden. Aber auch tagaktive Greifvögel haben gerne einen Beobachtungsposten, der ihnen freie Sicht auf die Beute bietet. Hohe Sitzkrücken sind für sie ein gutes Angebot.
  • Dicke Johannisbeer-Knospen deuten auf den Befall einer Gallmilbenart, die überwiegend bei Schwarzen Johannisbeeren vorkommt. Bei anfälligen Sorten ('Rosenthals', 'Silvergieter') kann die Ernte dadurch stark gemindert werden. Eine Bekämpfung mit Spritzmitteln ist kaum sinnvoll, man sammelt besser die Befallsknospen ab und vergräbt sie.
  • Krebs und Rotpustel sind verbreitete und bedrohliche Holzkrankheiten, die man im belaubten Baum leicht übersehen konnte. Sie äußern sich zunächst recht unauffällig durch dunkle, eingesunkene Rindenpartien. Solche Stellen sind weiträumig mit dem Messer oder dem Fräsaufsatz einer Bohrmaschine auszuschneiden. Der pilzhaltige Abfall darf aber nicht auf der Erde liegen bleiben. Eine abschließende Wundversorgung ist selbstverständlich.
  • Überwinternde Schädlinge. Noch anhaftende, umsponnene Blätter deuten auf Überwinterungsverstecke für verschiedene Schädlinge. Im einzelnen Blatt kann sich die Puppe des Baumweißlings finden, Goldafterpuppen umspinnen dagegen mehrere Blätter, wogegen die feinen, spiraligen Perlschnüre des Ringelspinners an dünneren Zweigen auffallen können. Blattläuse legen ihre schwarz glänzenden Eier gerne in Knospennähe oder an Kurztrieben ab, wo die schlüpfenden Jungläuse im Frühjahr sofort Nahrung finden können.

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Franz Mühl