Inhalte Heft Januar 2003:
Neue Gemüse- und Blumensorten Der Obstgarten Der Ziergarten Pflanzenschutztipp
 

Der Obstgarten im Januar
(Auszug aus dem aktuellen Heft)
  Aktuelles
  Aktuelles beim Beerenobst und den Wildfrüchten
  Aktuelles beim Pflanzenschutz
  Die wichtigsten Krankheiten und Schädlinge an Brombeeren

Aktuelles

  • Edelreiser sollten immer aus kontrollierten Beständen der Reiserschnittgärten und der Pflanzenschutzämter stammen. Damit ist man aber auf der sicheren Seite. Wenn die Mutterbäume nicht nachweisbar gesund sind, können bevorzugt alte, aber auch neuere Apfelsorten von der (nicht bekämpfbaren) Triebsucht befallen sein. Sie äußert sich durch besenartige Verzweigung in der oberen Region der vorjährigen Triebe mit den typischen "Zipfelblättchen" an den Endknospen. Die Früchte bleiben klein, fade und sind auch für die Verwertung unbrauchbar. Bei den Pflaumen ist es die Scharkakrankheit, die u.a. durch unbedacht abgenommene Edelreiser verbreitet wird. Einmal durch Edelreiser infizierte Bäume bleiben zeitlebens krank.
  • Schnitt. Junge Bäume bis zum 5. Standjahr schneidet man frühestens gegen Ende Februar, noch später die starkwüchsigen Sorten, von denen in den nächsten beiden Jahren noch kein Ertrag zu erwarten ist. Wenn der erste Ertrag übermäßig lange ausbleibt, so ist vermutlich zu viel am Jungbaum herumgeschnitten worden, mit dem Ergebnis, dass der Baum vorzugsweise Laubtriebe, selten jedoch Fruchtholz bildet.
  • Erdauftrag an Bäumen. Geländeanhebungen in Baumnähe dürfen höchstens 10 cm über den Wurzelhals der Bäume reichen, andernfalls sind Rindenschäden und damit der Verlust des Baumes zu befürchten. Sollte eine Aufschüttung dennoch unabwendbar werden, so legt man einen Autoreifen oder eine Umfassung aus Form- oder Backsteinen um den Stamm, sodass der Wurzelhals frei bleibt.
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Aktuelles beim Beerenobst und den Wildfrüchten

  • Erträge bei stachellosen Brombeeren. Aufrecht am Drahtgerüst aufgebundene Tragruten liefern höhere Erträge als die waagerechte Erziehung. Die Ruten werden dann bei etwa 1,8 -2,0 m über dem obersten Draht eingekürzt.
    Eine Vergleichspflanzung ergab folgende Erträge pro Meter:
    'Navaho' 1,4 kg
    'Loch Ness' 3,5 kg
    'Black Satin' 3,7 kg
    'Jumbo' 3,8 kg
    'Chester' 4,7 kg
    Nur 'Navaho' befriedigt im Geschmack und ist auch robuster gegen Krankheiten als die anderen Sorten.
  • Neue Kiwisorten. 'Jenny' und 'Solo' besitzen zwittrige Blüten. Zwar brauchen diese Sorten keinen Befruchter mehr, doch sind die Früchte bedeutend kleiner als bei der verbreiteten Sorte 'Hayward'. Auch bei diesen Sorten ist das Wachstum für kleinere Gärten im Vergleich zu den kleinfrüchtigen und winterharten Actinidia arguta (u.a. 'Weiki') immer noch zu stark.
  • Tafeltrauben. In klimatisch ungünstigeren Gebieten wachsen Weinreben immer noch gut an wärmespeichernden Südwänden. So gewinnt jedes Haus durch den Blatt- und Fruchtschmuck auch an ästhetischem Wert. Leider gibt es noch immer nicht die "Idealrebe", doch bieten die Baumschulen eine so große Sortenauswahl, dass eine Anpflanzung fast überall lohnen wird. Das Sortiment der pilzresistenten Tafeltrauben wird, aufgrund der wachsenden Beliebtheit, immer größer, sodass die älteren, weniger robusten Sorten, wohl verzichtbar werden.
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Aktuelles beim Pflanzenschutz

  • Kräuselkrankheit beim Pfirsich. Der Erreger kann die jungen Blättchen bei günstigen Bedingungen (Nässe) schon im Knospenstadium infizieren. In warmen Regionen ist die Bekämpfung deshalb schon während des Knospenschwellens ab Ende Januar anzuraten.
  • Schorfresistente Apfelsorten müssen künftig wohl kritischer betrachtet werden. Im vergangenen Jahr wurde Blatt- und Fruchtschorf beobachtet bei den Sorten 'Gerlinde', 'Goldrush' und 'Initial'. Zuvor schon konnte man - je nach Standort - mehr oder weniger starken Schorfbefall bei folgenden "Resistenzsorten" beobachten: 'Ahra', 'Ahrista', 'Florina', 'Liberty', 'Prima', 'Rebella', 'Regine', 'Retina', 'Rubinola', 'Topaz'. Nähere Auskünfte über Resistenzbewertungen zahlreicher Apfelsorten gibt die Genbank Obst, Bergweg 23 in 01326 Dresden-Pillnitz.
  • Vorbeugender Pflanzenschutz beim Schnitt. Gerade in der kalten und nassen Jahreszeit verbreiten sich die gefährlichen Holzpilze durch Sporenflug. Sie dringen auch in kleinste Wunden ein, die etwa durch quetschende Schnitte, Frostrisse oder Mäuseschäden entstanden. Deshalb sind folgende Punkte zur Vermeidung von Holz- und Rindenschäden zu beachten:
    • Sorgfältige Schnittarbeit mit scharfem, fachgerechten Werkzeug - ohne Zapfenschnitt.
    • Keine Schnittarbeit bei Nässe.
    • Sofortige Wundversorgung nach dem Schnitt, nach Frostrissen oder anderen Verletzungen.
    • Vermeidung einseitiger und hoher Stickstoffdüngung (Gefahr u.a. durch Frostrisse).
    Ständiges Überwachen der Gehölze auf mögliche Infektionsherde.
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Die wichtigsten Krankheiten und Schädlinge an Brombeeren

Spinnmilben lieben trockenes, heißes Wetter in windgeschützter Lage. Ein Befall äußert sich im fortgeschrittenen Stadium durch fahle, gelb gesprenkelte Blätter (Saugstellen), die schließlich flächig gelb werden und dann abfallen können. Milben sind nur unter der Lupe sichtbar. Sie gehören zu den am schwersten bekämpfbaren Schädlingen. Eine wirksame Abwehrmaßnahme richtet sich zunächst gegen die Eier und Jungtiere sofort beim Austrieb mit Rapsöl. Kurz vor und nach der Blüte kann eine weitere Behandlung mit Netzschwefel erforderlich sein.
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Brombeergallmilben wandern beim Austrieb in die Knospen, saugen schon im Blütenboden und an den jungen Früchtchen. Dadurch bleiben einzelne Beeren hell oder rot, hart und sauer. Die Bekämpfung ist identisch mit der bei Spinnmilben. Befallene Früchte und Blätter soll man sofort absammeln und vernichten.
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Erste Schadbilder der Brombeer-Rankenkrankheit zeigen sich im Sommer an den unteren Triebteilen der Jungruten. Kleine, dunkelgrüne Flecken mit roter Umrandung erweitern sich rasch und führen besonders bei anhaltender Trockenheit zum Absterben. Diese Pilzkrankheit hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Anfällig sind bestimmte Sorten, aber auch überdüngte Pflanzen. Befallene Triebe sind schnellstmöglich herauszuschneiden.
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Für Grauschimmel an den Früchten ist besonders die stachellose Sorte 'Black Satin' sehr anfällig. In Regenperioden werden aber auch andere Sorten stärker befallen. Wie bei der Himbeere und der Erdbeere muss eine Bekämpfung während der Blüte erfolgen. Im Erwerbsanbau sind Überdachungen gegen den Grauschimmel bei Nässe, auch bei anderen Beerensträuchern, üblich.
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Mehltau und Rostpilze können bei zusagendem Wetter ebenfalls an der Brombeere auftreten, doch sind sie seltener und größere Schäden sind durch sie nicht zu erwarten.
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Neu an Brombeeren ist die Rubusstauche. Als Erreger gelten - wie bei der Apfeltriebsucht - sogenannte Mycoplasmen, die auf schweren Böden offensichtlich häufiger vorkommen, als auf leichten. Die Pflanze welkt plötzlich und erholt sich dann auch nicht mehr. Anscheinend ist die Sorte 'Loch Ness' besonders schwer betroffen. Als einzige Gegenmaßnahme bleibt nur die frühe Rodung, um die weitere Verbreitung zu vermeiden.
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Franz Mühl